Drostengarten Rietberg

Projekt: Drostengarten Rietberg
Bauherr: Fam. Kühlmann
Fertigstellung: 2007-2009, in zwei Abschnitten
Bausumme: 0,25 Mio €
Leistung: LP 1-9

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D R O S T E N G A R T E N   R I E T B E R G

Das Drostenhaus von 1640 mit der dazugehörigen ca. 1.700 qm großen Gartenanlage befindet sich im historischen Stadtkern von Rietberg. Das denkmalgeschützte Drostenhaus inklusive des Gartens war seit Jahrzehnten in einem verwahrlosten unansehn- lichen Zustand. Auf Initiative der Familie Kühlmann wurde im Jahr 2007 damit begonnen das Wohnhaus zu restaurieren und den Garten umzugestalten.

Die Gartenanlage ist nach der Fertigstellung im Jahr 2009 in zwei Teile untergliedert. Es gibt einen öffentlichen Gartenteil und einen durch eine 2,00 m hohe Eibenhecke abgeschirmten privaten Bereich, der ausschließlich von den Bewohnern des Drostenhauses genutzt werden kann. Die Trennung in diese zwei Bereiche ist für den Besucher des Drostengartens  jedoch erst auf den zweiten Blick erkennbar.

Der öffentliche Gartenteil wurde im Rahmen der Landesgartenschau NRW 2008 in Rietberg eröffnet. Während der Landesgartenschau gab es eine temporäre Kunstinstallation von Nabila Irshaid. Die Skulptur „Voller Mond“ von Christiane Möbus ist dagegen ein dauerhaftes Kunstelement der Gartenanlage. Das Drostenhaus mit Drostengarten ist „Denkmal des Monats März 2011“ im Jahreskalender der NRW-Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne, Regionalgruppe Südliches Westfalen und Münsterland.

G A R T E N

Die Gartengestaltung des öffentlichen Teils des Drostengartens erfolgte auf Basis der Renaissance- und Barockgärten des 17. Jahrhunderts mit stilistischen Mitteln der Moderne. Historische Gartenpläne zum Drostenhaus gibt es nicht. Die Planung orientiert sich daher an den für diese Zeit typischen Gestaltungsgrundsätzen unter Verwendung von strengen geometrischen Formen und Sichtachsen. Die Ausarbeitung der Details und Verwendung der Materialien spiegelt hingegen den industriell geprägten heutigen Zeitgeist wider.
Ziel der Planung war es, die bestehende Gehölzstruktur, insbesondere zwei uralte Eiben sowie eine große Rhododendrongruppe mit besonderem Farnbestand zu erhalten und mit der neu geschaffenen streng geometrischen Form der Gestaltung in Einklang zu bringen.
Der Garten wird über eine Seitenachse mit der Zugangstür des Drostenhauses optisch verbunden. Die Hauptsichtachse des Gartens endet in einem Sitzplatz mit Wasserspiel. Die zentrale Gartenfläche ist in vier symmetrische Flächen gegliedert. Umlaufend sind klassische Stauden- und Rosenrabatte angeordnet. Ergänzend zu den Rasenflächen ist unter den Eiben eine flächige Efeupflanzung angelegt, die der Skulptur eine Rahmung verleiht. 
Eine weitere seitliche Sichtachse endet an einer Sitzmöglichkeit vor den Rhododendren, die einen Blick auf das Drostenhaus ermöglicht. Alte Delenplatten des Drostenhauses werden hier als Trittplatten im Rasen für diesen Weg genutzt. Die Sitzelemente und der Quader mit Wasserspiel sind aus heimischem Anröchter Naturstein. Das Material findet sich auch als Plattenbelag des Platzes sowie als Beet und Wegeeinfassung wieder. Die Stelen der Zaunanlage und die markanten Mauerscheiben im Eingangsbereich stammen ebenfalls aus den Anröchter Steinbrüchen. Die Oberflächenbearbeitung ist vielfältig: gestockt, geflammt, gesägt und sandgestrahlt.

Hecken als trennendes Element zwischen der öffentlichen Gartenanlage und den privaten Gartenflächen sowie eine einheitliche Materialwahl für die Trittplatten und Terrassen schaffen einen gestalterischen Rahmen für die unterschiedlich zu nutzenden Privatflächen. Die Gärten sind je nach Wunsch der Bewohner mit Rasen- oder Kiesflächen in Kombination mit Solitärgräsern angelegt. 

K U N S T

“Voller Mond“, Christiane Möbus

In einer der geometrischen Flächen unter den alten Eiben hat die Künstlerin Christiane Möbus (Berlin/Hannover) eine Skulptur mit dem Titel „Voller Mond“ geschaffen, deren „schwebende Mondhälften“ auf den Turm der Kirche St. Johannes Baptist ausgerichtet sind und unter jahrhunderte alten Eiben in einer geschlossenen Efeufläche je nach Sonneneinstrahlung einen stets wechselnden Eindruck vermitteln. Die Installation konnte 2008 als ein Teil der „Rauminszenierungen. Kunst in Gärten und Parks“ im 9. Jahr der Projektreihe „Garten-Landlandschaft OstWestfalenLippe“ verwirklicht werden.

„Jüdischer Friedhof bei Rietberg“ von Hans-Ulrich Treichel, Installation von Nabila Irshaid

In den Jahren 2008 und 2009 bildete der Drostengarten die Kulisse für eine Kunstinstallation im Rahmen des Literatur- und Musikfestes „Wege durch das Land“. Verschiedenste Veranstaltungen finden seit nunmehr 10 Jahren in alten Scheunen, Mühlen und Schlössern, neu erbauten Kulturstätten, auf Gutshöfen und in Klöstern statt. Hier treffen sich Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Sänger zu Lesung, Konzert, Rezitation und Spiel. In diesem Rahmen gab es in Rietberg, neben zahlreichen Aktionen , eine einmalige literarische Installation der Künstlerin Nabila Irshaid in Form des Gedichtes „Jüdischer Friedhof bei Rietberg“ von Hans-Ulrich Treichel an der alten Klinkerwand hinter dem Wasserspiel im Drostengarten.

“Rietberger Illumina” 

Bei der Veranstaltung “Rietberger Illumina”, die seit 2008 jährlich stattfindet, erklingen im Spätsommer an mehreren Abenden von 20 – 24 Uhr Gedichte und Musik im historischen Stadtkern verbunden mit einer szenischen Beleuchtung. An mehreren Stationen können die Besucher die Altstadt und die alten Wallanlagen auf ganz neue Weise erfahren. In diesem Rahmen werden auch Drostenhaus und Drostengarten jedes Mal aufs Neue in ein besonderes Licht gerückt.